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Markus Bertan

Zahlungsunfähigkeit Praxisfall Chemie-Zulieferung | Markus Bertan

Praxisfall Chemie-Zulieferung: 930.000 € Verbindlichkeiten, 16 Wochen | Zahlungsunfähigkeit | Markus Bertan Betriebswirtschaftliche Struktur – keine…

Branche: Chemie-Zulieferung (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 32 · Umsatz: ca. 2.604.000 € · Verbindlichkeiten: 930.000 €

Was uns zuerst aufgefallen ist

Der GF schilderte die Lage nüchtern – der Investor aus der zweiten Runde verlangte Transparenz, die der GF aus Scham verzögerte. Negative Wochenliquidität ab Monat 2 im Liquiditätsforecast. 166.000 € Forderungen, die in 90 Tagen nicht reinkommen. Zahlungen nach Priorität „Bauchgefühl“ statt Protokoll. Kein dokumentierter Beschluss zum weiteren Vorgehen.

Was in 16 Wochen passierte

Woche zwei war unangenehm – Gespräche mit dem Finanzamt und dem größten Lieferanten, beide ohne Versprechen. Zahlungsunfähigkeit beginnt nicht beim Kontostand null, sondern bei dauerhaft fehlender Zahlungsfähigkeit.

In Woche 1 bis 3 haben wir einen Liquiditätsforecast in drei Szenarien gebaut und eine Gläubigermatrix erstellt – sechs Gläubiger machten 78 % der Verbindlichkeiten aus. Steuerberater und Insolvenzkanzlei ordneten die Insolvenzreife parallel ein.

Ab Woche 4: strukturierter Zahlungsstopp, zwei Stundungsgespräche, Ratenplan über 316.200 €. Wöchentlicher Abgleich – kurz, schriftlich, ohne Theater.

Stundungen sind kein Gegenbeweis – sie können sogar ein Indiz sein.

Stand am Ende

16 Wochen später hatte der GF eine Entscheidungsvorlage, die auch die Gesellschafter unterschreiben konnten. Zahlungsunfähigkeit war realistisch – weil die Zahlen stimmten.

Fehler, die Zeit kosten

Was ich anders machen würde: Steuerschulden verschwiegen, bis das Finanzamt von selbst anruft. Gesellschafterbeschlüsse nur mündlich, nie im Protokoll. Rücktritt des GF ohne Übergabe an einen handlungsfähigen Nachfolger.

Was GF und Gesellschafter riskieren

§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.

Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.

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