Branche: E-Commerce (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 14 · Umsatz: ca. 2.490.000 € · Verbindlichkeiten: 830.000 €
So begann der Fall
Zwei Brüder führten die GmbH; einer blockierte jeden Notartermin mit dem Hinweis auf fehlende Bewertung. Der Anruf kam an einem Dienstagnachmittag – der Geschäftsführer klang müde, nicht panisch.
14 Köpfe, 2.490.000 € Umsatz, 830.000 € Verbindlichkeiten – die E-Commerce-GmbH wirkte von außen noch intakt. Innen: kein 13-Wochen-Liquiditätsplan, Debitoren bei 188.000 € über 90 Tage.
Chronologie (20 Wochen)
Gegen Ende des ersten Monats hatte der GF ein Protokoll, das er auch seinem Steuerberater nicht schämte. Schulden in der GmbH sind kein Ausschlussgrund – aber ein Filter für seriöse Erwerber.
In Woche 1 bis 3 haben wir einen 13-Wochen-Liquiditätsplan in drei Szenarien gebaut und eine Gläubigermatrix erstellt – sechs Gläubiger machten 76 % der Verbindlichkeiten aus. Steuerberater und Insolvenzkanzlei ordneten die Insolvenzreife parallel ein.
Ab Woche 4: strukturierter Zahlungsstopp, zwei Stundungsgespräche, Ratenplan über 265.600 €. Wöchentlicher Abgleich – kurz, schriftlich, ohne Theater.
Wer verschweigt Steuerschulden im Datenraum, riskiert später § 15b-Themen und Schadensersatz.
Ergebnis
Am Ende: GmbH mit Schulden verkaufen als Option, nicht als Wunsch. Dokumentation sauber, Bank informiert, kein Insolvenzantrag nötig – vorerst.
Typische Fehler in vergleichbaren Mandaten
Drei Fehler, die ich in vergleichbaren Mandaten immer wieder sehe:
- Rücktritt des GF ohne Übergabe an einen handlungsfähigen Nachfolger
- Ein Erwerber ohne NDA und ohne Referenzprüfung
- Weiterzahlungen an Lieferanten, die nicht existenzsichernd sind
Haftung im Blick
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.