Branche: Automotive-Zulieferung (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 35 · Umsatz: ca. 635.500 € · Verbindlichkeiten: 205.000 €
Einstieg in den Fall
Die Mutter hielt 30 %, der Sohn operativ – und beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von „Exit“. Nach einem Streit in der Gesellschafterrunde ging der GF allein ans Telefon. Das ist häufiger, als man denkt.
35 Köpfe, 635.500 € Umsatz, 205.000 € Verbindlichkeiten – die Automotive-Zulieferung-GmbH wirkte von außen noch intakt. Innen: kein kurzfristiger Zahlungsplan, Debitoren bei 209.000 € über 90 Tage.
Verlauf über 23 Wochen
Die letzten Tage vor dem Notarvorbereitungsgespräch waren ruhig – weil die Zahlen endlich stimmten. Patt löst man nicht mit lauterer Runde, sondern mit Beschlussfähigkeit und klaren Exit-Pfaden.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: kurzfristiger Zahlungsplan und Matrix – 73 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 75.850 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Wenn Gesellschafter nicht mehr unterschreiben, ist die GmbH oft handlungsunfähig, bevor sie zahlungsunfähig ist.
Wo wir landeten
Am Ende: Gesellschafterstreit als Option, nicht als Wunsch. Dokumentation sauber, Bank informiert, kein Insolvenzantrag nötig – vorerst.
Drei Umwege, die ich oft nachbearbeite
Drei Fehler, die ich in vergleichbaren Mandaten immer wieder sehe:
- Zahlungen an verbundene Personen ohne Beschluss
- Verkaufsgespräche mit dem ersten Interessenten ohne Due Diligence
- Privatentschuldungen mit Firmengeld vermischt
Haftung – kurz eingeordnet
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.