Branche: Handwerk (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 32 · Umsatz: ca. 2.954.000 € · Verbindlichkeiten: 1.055.000 €
Was uns zuerst aufgefallen ist
Der Investor aus der zweiten Runde verlangte Transparenz, die der GF aus Scham verzögerte. Die Hausbank hatte die Linie gekürzt; der GF wusste es seit zehn Tagen, die Gesellschafter erst seit gestern.
32 Köpfe, 2.954.000 € Umsatz, 1.055.000 € Verbindlichkeiten – die Handwerk-GmbH wirkte von außen noch intakt. Innen: kein Liquiditätsforecast, Debitoren bei 206.000 € über 90 Tage.
Was in 20 Wochen passierte
Woche zwei war unangenehm – Gespräche mit dem Finanzamt und dem größten Lieferanten, beide ohne Versprechen. Bank und Finanzamt lesen Zahlen – nicht Stimmung. Deshalb zuerst Daten, dann Gespräche.
In Woche 1 bis 3 haben wir einen Liquiditätsforecast in drei Szenarien gebaut und eine Gläubigermatrix erstellt – sechs Gläubiger machten 70 % der Verbindlichkeiten aus. Steuerberater und Insolvenzkanzlei ordneten die Insolvenzreife parallel ein.
Ab Woche 4: strukturierter Zahlungsstopp, zwei Stundungsgespräche, Ratenplan über 358.700 €. Wöchentlicher Abgleich – kurz, schriftlich, ohne Theater.
Bei gesellschafter aussteigen geht es in der Praxis selten um Theorie – sondern um Timing und Protokolle.
Stand am Ende
Am Ende: Gesellschafter aussteigen als Option, nicht als Wunsch. Dokumentation sauber, Bank informiert, kein Insolvenzantrag nötig – vorerst.
Fehler, die Zeit kosten
Drei Fehler, die ich in vergleichbaren Mandaten immer wieder sehe:
- Steuerschulden verschwiegen, bis das Finanzamt von selbst anruft
- Gesellschafterbeschlüsse nur mündlich, nie im Protokoll
- Rücktritt des GF ohne Übergabe an einen handlungsfähigen Nachfolger
Was GF und Gesellschafter riskieren
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.