Branche: Medizintechnik (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 45 · Umsatz: ca. 2.108.000 € · Verbindlichkeiten: 680.000 €
Einstieg in den Fall
Die Mutter hielt 30 %, der Sohn operativ – und beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von „Exit“. Ein Erwerber aus dem Netzwerk war im Gespräch, aber ohne Zahlenbasis – typischer Auslöser für meinen Einstieg.
45 Köpfe, 2.108.000 € Umsatz, 680.000 € Verbindlichkeiten – die Medizintechnik-GmbH wirkte von außen noch intakt. Innen: kein kurzfristiger Zahlungsplan, Debitoren bei 179.000 € über 90 Tage.
Verlauf über 11 Wochen
Die letzten Tage vor dem Notarvorbereitungsgespräch waren ruhig – weil die Zahlen endlich stimmten. Bank und Finanzamt lesen Zahlen – nicht Stimmung. Deshalb zuerst Daten, dann Gespräche.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: kurzfristiger Zahlungsplan und Matrix – 79 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 265.200 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Bei liquidation geht es in der Praxis selten um Theorie – sondern um Timing und Protokolle.
Wo wir landeten
Am Ende: Liquidation GmbH als Option, nicht als Wunsch. Dokumentation sauber, Bank informiert, kein Insolvenzantrag nötig – vorerst.
Drei Umwege, die ich oft nachbearbeite
Drei Fehler, die ich in vergleichbaren Mandaten immer wieder sehe:
- Ein Erwerber ohne NDA und ohne Referenzprüfung
- Weiterzahlungen an Lieferanten, die nicht existenzsichernd sind
- Zahlungen an verbundene Personen ohne Beschluss
Rechtliche Eckpunkte
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.