Branche: Agentur (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 19 · Umsatz: ca. 2.762.500 € · Verbindlichkeiten: 1.105.000 €
So begann der Fall
Der GF schilderte die Lage nüchtern – zwei Brüder führten die GmbH; einer blockierte jeden Notartermin mit dem Hinweis auf fehlende Bewertung. Negative Wochenliquidität ab Monat 2 im 13-Wochen-Liquiditätsplan. 163.000 € Forderungen, die in 90 Tagen nicht reinkommen. Zahlungen nach Priorität „Bauchgefühl“ statt Protokoll. Kein dokumentierter Beschluss zum weiteren Vorgehen.
Chronologie (13 Wochen)
Gegen Ende des ersten Monats hatte der GF ein Protokoll, das er auch seinem Steuerberater nicht schämte. Ich dokumentiere jeden Schritt so, dass ein späterer Gutachter die Logik nachvollziehen kann.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: 13-Wochen-Liquiditätsplan und Matrix – 69 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 408.850 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Bank und Finanzamt lesen Zahlen – nicht Stimmung. Deshalb zuerst Daten, dann Gespräche.
Ergebnis
13 Wochen später hatte der GF eine Entscheidungsvorlage, die auch die Gesellschafter unterschreiben konnten. Firmenverkauf war realistisch – weil die Zahlen stimmten.
Typische Fehler in vergleichbaren Mandaten
Was ich anders machen würde: Zahlungen an verbundene Personen ohne Beschluss. Verkaufsgespräche mit dem ersten Interessenten ohne Due Diligence. Privatentschuldungen mit Firmengeld vermischt.
Haftung – kurz eingeordnet
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.